Digitalisierung geht schleppend voran - Bürger sind nicht zufrieden

Digitalisierung geht schleppend voran - Bürger sind nicht zufrieden

Verschiedene Studien erforschen Digitalisierung der Bundesrepublik

Man könnte meinen, dass die Pandemie in Deutschland einen Digitalisierungsschub erzeugt hat. Dass dem aber nur teilweise so ist, zeigen zwei Studien, die in diesem Jahr die Digitalisierung in den Fokus genommen haben. Betrachtet wurden dabei auch die digitalisierten Verwaltungsleistungen und die Erwartungen der Bevölkerung daran. Ergebnis: Deutschland wird zwar digitaler, aber die Verwaltungen haben noch viel Arbeit vor sich.

Eins hat wahrscheinlich jeder - abhängig von der persönlichen Situation - festgestellt: Das digitale Leben hat in den vergangenen Monaten sehr wohl einen Aufschwung erlebt: Der Onlinekonsum ist stark angestiegen, Schulen wurden offener für digitale Kommunikation und die Akzeptanz des Homeoffice hat sich gefestigt. Hier hat die Pandemie - teils gezwungener Maßen - zu alternativen Lösungswegen geführt, die sich anschließend bewährt haben und teilweise auch in der Zukunft fortgeführt werden.

Doch was ist mit digitalen Verwaltungsleistungen? Sind hier ebenfalls überproportionale Fortschritte gemacht worden? Oder ganz im Gegenteil: Hat die Pandemie vielleicht sogar auf die Bremse gedrückt? Untersucht hat dies das Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in einer 2021 veröffentlichten Studie, dem Deutschland-Index der Digitalisierung 2021. Darin wird festgestellt, dass der Deutschland-Index lediglich um 1,9 Punkte im Vergleich zu 2019 gestiegen ist: "Der Digitalisierungsschub beschränkt sich auf einzelne Themenfelder. Während sich die Nutzung digitaler Werkzeuge intensiviert haben mag, bleiben der Infrastrukturausbau oder das Angebot von digitalen Verwaltungsdienstleistungen zunächst weitgehend unberührt von den jüngsten Entwicklungen."

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Der Deutschland-Index 2021 erreicht eine Punktzahl von 70,2 (Karte rechts), also genau 1,9 Punkte mehr als 2019 (unten links). Die unterschiedliche starke Entwicklung von 2019 zu 2021 in den einzelnen Bundesländern ist in der Karte oben links zu erkennen.
Quelle: Deutschland-Index der Digitalisierung 2021 / Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS


Doch das ist kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Denn auch wenn die Entwicklung seit 2019 nicht so gelaufen ist, wie erhofft, hat die Studie einige positive Aspekte herausgearbeitet. So ist die Bevölkerung durch den Digitalisierungsschub in den persönlichen Bereichen grundsätzlich offen für digitale Verwaltungsleistungen. Außerdem nutzen die befragten Bürger und Bürgerinnen durchaus kommunale Webportale zur Informationsgewinnung. Diese Erkenntnis sollten sich die Kommunen zunutze machen, wenn es darum geht, digitale Verwaltungsleistungen anzubieten.

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Der Bürgerservice-Index fließt unter anderem zu 60 Prozent die Anzahl der Bevölkerung ein, die innerhalb der vergangenen 12 Monate erfolgreich Formulare übermittelt hat.
Quelle: Deutschland-Index der Digitalisierung 2021 / Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS


Laut Deutschland-Index sind momentan durchschnittlich lediglich 2,5 von 10 Leistungen in den Verwaltungen digital umgesetzt. Angesicht dessen scheint das ehrgeizige Ziel des OZG (Onlinezugangsgesetz), alle Verwaltungsdienstleistungen bis Ende 2022 digital anzubieten, kaum schaffbar. Doch vor allen Dingen die Priorisierung der Bundesländer auf bestimmte Themenfelder stimmt optimistisch und treibt die Entwicklung so maßgeblich voran. Der Deutschland-Index kommt daher zu dem Schluss: "Um diese positiven Impulse im gegenwärtig vorteilhaften Umfeld auch nutzen zu können, bedarf es einer weiteren Stärkung der horizontalen und vertikalen Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen. Auch der konsequentere Einsatz von Basiskomponenten und die Schaffung von Verbindlichkeit bieten noch ungenutzte Potenziale, um das schnelle Ausrollen von Lösungen zu ermöglichen."

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Nur rund ein Viertel der untersuchten zehn digitalen Leistungen wird rechnerisch in den Kommunen durchgängig digital umgesetzt.
Quelle: Deutschland-Index der Digitalisierung 2021 / Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS


Die ARCHIKART Software AG ist hinsichtlich OZG bereits seit längerem aktiv und engagiert sich in zahlreichen Fachgruppen. Denn digitale Onlinebereitstellung der Verwaltungsleistungen ist das eine, die Integration der Vorgänge in das Fachverfahren das andere. Deshalb wurde ein Antragsserver entwickelt, um die bereitgestellten EfA-Online-Dienste (EfA = Einer für Alle) in das Fachverfahren zu integrieren. Das heißt, der Sachbearbeiter kann mittels Knopfdruck die online gestellten Anträge in die Software ARCHIKART importieren. Für weitere Informationen dazu lesen Sie unseren Beitrag "OZG-Countdown läuft: Ende 2022 müssen Anträge online bereit stehen".

Zu ähnlichen Ergebnissen wie der Deutschland-Index kommt die E-Government Studie der Initiative D21. Der erste Dämpfer darin ist die Erkenntnis, dass nicht einmal die Hälfte der Befragten die Verwaltungsportale überhaupt kennt und demzufolge auch nicht nutzt. Obwohl - ebenfalls analog zum Deutschland-Index - sich die Bevölkerung nicht zuletzt aufgrund der Pandemie offener für digitale Angebote zeigt als bisher. Weshalb hapert es denn dann ausgerechnet bei den Verwaltungsleistungen?

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Nur 47 Prozent der befragten Deutschen zeigen sich zufrieden mit dem E-Government-Angebot der Behörden. Der Wert ist damit zum Vorjahr gesunken und im Vergleich zu Österreich und der Schweiz am niedrigsten. Quelle: eGovernment MONITOR 2021 / Initiative D21


Der meistgenannte Grund ist schlichtweg der fehlende Anlass. Wenn keine Behördenanfrage besteht, warum sollte man die 115 wählen? Wenn mein Ausweis noch gültig ist, warum sollte ich einen Online-Ausweis beantragen? Auch ein Nichtkennen der Angebote sowie die fehlende digitale Durchgängigkeit oder einfach die persönliche Präferenz des Behördengangs sind vollkommen rationale Erklärungen, die die Befragten angaben.

Immerhin: Die meisten Bürger (65 Prozent) haben wenigstens schon einmal einen Behördentermin digital vereinbart und zumindest die Hälfte aller Befragten hat bereits digital mit einer Behörde kommuniziert oder sich ein Formular heruntergeladen. Die Zufriedenheit der Bürger und Bürgerinnen mit den digitalen Verwaltungsleistungen ist allerdings um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr abgesackt. Ein recht ernüchterndes Ergebnis.

Der Präsident der Initiative D21 Hannes Schwaderer resümiert aus der Studie folgende Erkenntnis: "Wir beobachten ein steigendes Bewusstsein für digitale Verwaltungsangebote und ebenso höheres Interesse an der Nutzung. Mit Blick auf Deutschland sollte das Mut machen, bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes nicht nachzulassen. Im Gegenteil, wenn immer mehr Services auch digital zur Verfügung stehen, wird dies hoffentlich für einen spürbaren Schub bei der Nutzung von E-Government sorgen – es wird Zeit!"

Manchmal tun es schon die kleinen Dinge! In unserem Blogbeitrag "So nehmen Sie die Digitalisierung in Angriff" geben wir ein paar Anregungen, wie Sie ARCHIKART bei diesem Vorhaben unterstützt.

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Autor/ Autorin

Magdalena Becker

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